Straßenbahndepot Speldorf
Im Juli 1882 eröffnete die "Deutsche Lokal- und
Straßenbahngesellschaft Dortmund" eine Dampfstraßenbahnlinie vom Kuhtor in der
Duisburger Innenstadt zur Monning an der Stadtgrenze zu Mülheim, die 1888 bis
(Mülheim-) Broich verlängert wurde (die heutige Linie 901 von Mülheim-Stadtmitte
bis Duisburg-Obermarxloh). Eine Weiterführung der Linie auf das
gegenüberliegende Ruhrufer bis in die Mülheimer Innenstadt war wegen der
geringen Tragfähigkeit der Kettenbrücke über die Ruhr nicht möglich. Erst der
Bau der Schlossbrücke erlaubte 1911 die Einrichtung einer durchgehenden
Straßenbahnverbindung zwischen Duisburg und Mülheim. 1897 fuhr die erste
elektrische Straßenbahn vom Kuhtor nach Broich. Betreiber war seit 1891 die
"Allgemeine Lokal- und Straßenbahn Gesellschaft Berlin". Sie ließ 1901 das Depot
an der Duisburger Straße errichten. Es umfasste damals eine Wagenhalle mit sechs
Gleisen und das angebaute Wohn- und Verwaltungsgebäude, in dem sich auch ein
Aufenthaltsraum befand. 1911 wurde die Wagenhalle verlängert und ein Anbau mit
Schmiede, Lager und Aufenthaltsraum angefügt. 1914 erhielt die Anlage dann das
Aussehen, das sie in den Grundzügen bis heute bewahrt hat: Auf der östlichen
Seite wurde eine zweite Halle mit vier Gleisen angebaut und die ursprünglich
historisierende Fassade von Halle und Wohngebäude in den Formen des späten
Jugendstils umgestaltet. Bis in die 1950er Jahre konnten Betriebsangehörige das
Gelände hinter den Wagenhallen pachten, um in Kleingärten Gemüse anzubauen. Nach
der Stilllegung im Jahre 1967 dienten die Hallen als Lager- und Abstellräume.
Eine neue Verwendung des Gebäudekomplexes bzw. des Grundstücks wurde über lange
Zeit durch die Planungen im Zusammenhang mit der Trassenführung der Stadtbahn
blockiert. Möglicherweise ist der ehemalige Betriebshof dadurch dem Abriss
entgangen, denn in der Zwischenzeit erfuhr historische Industriearchitektur eine
neue Wertschätzung. Gleichzeitig verschlechterte sich der bauliche Zustand der
Anlage. Nachdem der Komplex 1987 an die LEG übergegangen war, kam es 1994/95
endlich zu einer Lösung, die eine Neunutzung mit der Erhaltung der wesentlichen
architektonischen Merkmale vereinbart. Die Wagenhallen wurden zur
"Depot-Passage" mit Geschäften, Dienstleistungsangebot und Gastronomie umgebaut.
Innen weitgehend neu gestaltet und außen denkmalgerecht saniert, präsentiert
sich der ehemalige Betriebshof heute als Anziehungspunkt im Stadtteil Speldorf.
Die Glasfront, welche die zehn Tore ersetzte, erzeugt im Zusammenspiel mit den
pylonartigen Pfeilern und ihrer Jugendstilverzierung eine filigrane Fassade.
aus "Route der Industriekultur"